Der Fantasie freien Lauf lassen: Hausherr Peter J. Orth (rechts) mit Gästen in seinem Gesamtkunstwerk.

FOTO: HEINZ ENGELS

Bei ihm hatte schon mancher Gast eine zündende Idee
ORTH-HAUS  Kunst als kreativer Motor

 

Von Daniel Herder

TANNENBUSCH. ...Die Galerie, gleichzeitig sein Wohn-und Elternhaus, stellt er für Vernissagen, Modenschauen oder Tagungen zur Verfügung. Und weil Kunst nicht nur etwas für Asketen ist, veranstaltet Orth auf Anfrage Buffets und Gourmetessen, die sein Cousin, Zwei-Sterne-Koch Hans Stefan Steinheuer, kreiert. "Bonns Oase internationaler Kunst" - nach seinen Ideen gestaltet und 1997 eröffnet - zeigt nicht nur Kunst auf einer Ausstellungsfläche von 450 Quadratmetern: Sie ist Kunst. Hier wird erfahrbar, was Orth meint, wenn er vom kreativen Ambiente spricht, dass die Gäste inspiriert. "Wir sind eine Begegnungsstätte", sagt Orth, "und offen für jedermann." Die Atmosphäre sei wie geschaffen, um die Fantasie von Menschen zu beflügeln und zu helfen, "dass sie sich auf sich selbst besinnen" - Kunst als kreativer Motor. Und nicht zuletzt, wie Orth betont, "ein Trumpf für die Region". "Viele Gäste kommen eigens aus Köln und Düsseldorf, weil es dort nichts Vergleichbares gibt."
   Für Kunstfreunde birgt das mehrteilige Gebäude-Ensemble kleine Schätze: Werke von Beuys, Otmar Alt und anderen Künstlern mit internationalem Renommee. Die zwei Etagen beherbergen heitere Skulpturen von Brigitta Jetzek-Berkenhaus, Farbexplosionen von Bernd Scheid, Collagen von Josef Obornik und Keramiken von Cornelia Garbe. Orths eigene, oft verspielte Kunst

 

durchzieht das Ensemble wie ein roter Faden. Überall stößt der Betrachter auf maritime Akzente, die prägend sind für sein Leben: 18 Jahre durchkreuzte er als "Blauwassersegler" die Weltmeere. In der betörend nach Lavendel duftenden "Oase der Düfte" erhebt sich eine halbschalenförmige Kuppel - seine "Insel". Daneben eine marmorne Sitzgruppe mit Grillplätzen. Über der Terrasse im "Garten des Poseidon" spannt sich ein halbtransparentes Dach mit Fisch- und Delfin-Motiven.
   Als in der Kunstoase zuletzt 120 Gäste des Reifenherstellers "Continental" speisten, ließ Orth feine Gerichte servieren und wie immer war der Abend ein großer Erfolg. Der Hausherr beobachtet mit Wohlwollen, wie die Gäste über sein Haus staunen, wie sie durch das Gesamtkunstwerk spazieren und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. In seiner "Insel" glauben nicht wenige einen Iglu zu erkennen, andere versteigen sich gar zu der Idee, es handle sich um einen "klerikalen Keller", wie etwa Konrad Welge glaubt.
   Die Urteile zur Galerie fallen durchweg positiv aus. "Hier wird geballte Kunst mit Leichtigkeit präsentiert", meint ein Gast. Und Doris Schwärzel aus Hannover ist ganz hingerissen von den drei sichelmondförmigen Fenstern in der ersten Etage des Hauses. "Wenn Vollmond ist, wird er direkt neben den Fenstern abgebildet", erklärt Orth im Beuys-Salon bei einem Gläschen Wein - die Frau ist hellauf begeistert...